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Mit acht Toren war Jonas Goßmann der erfolgreichste Melsunger Schütze beim Überraschungssieg gegen Essen. Dabei verwandelte er nervenstark alle seine fünf Siebenmeter. Essens Robert Grande (links) und Luca Witzke ahnen schon, dass auch dieser sitzen wird. (Foto: MTT)

JBLH: Den hohen Favoriten entzaubert

Was für ein starker Auftritt! Vor über 100 Zuschauern am ungewohnten Freitagabend schlug die Bundesliga-A-Jugend der mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen den bisherigen Tabellen-Zweiten TuSEM Essen mit 29:25 (11:13). Damit erhalten sich die Nordhessen ihre kleine Chance auf Platz sechs, Essen dagegen bezog im Kampf um die Teilnahme an den Playoffs zur Deutschen Meisterschaft einen herben Dämpfer.

Wie ein Anwärter auf den dazu notwendigen Tabellenplatz hinter Klassenprimus GWD Minden präsentierten sich die Gäste in der Anfangsphase sicher nicht. Wenig Bewegung im Angriff, unkonzentrierte Abspiele, schwache Abschlüsse. Einzig Torhüter Julian Borchert war hellwach, bügelte die teils haarsträubenden Fehler seiner Vorderleute mit Glanzparaden aus. Erst blieb er gegen Nikita Pliuto vom Kreis der Sieger, dann zweimal gegen Mikulas Cejka im Gegenstoß. Der Grund, warum die mJSG nach zehn Minuten nur mit 3:1 führte, obwohl es gut und gern 6:1 hätte stehen können, wenn nicht müssen.

Auch als die Gäste nach einer sehr lautstarken Auszeit ihres Trainers Daniel Haase etwas besser in die Begegnung fanden, blieb Melsungen vorn. Weil das Rückzugsverhalten stimmte und Glenn Eggert ebenfalls stark hielt, Luca Witzke einen Siebenmeter abnahm und erst im Nachwurf zu bezwingen war. „Wir wollten unbedingt Gegenstöße vermeiden und die erste Welle gut verteidigen. Das hat prima funktioniert“, freute sich mJSG-Coach Björn Brede über die Disziplin seiner Truppe. Das erste echte Gegentor aus dem Feld kassierte seine Sieben erst nach 12 Minuten, als Niklas Rolf zum 4:3-Anschluss traf. Der Auftakt von drei starken Essener Minuten, in denen sie den Spieß zum 4:6 herumdrehten. Die nächste Auszeit war fällig, diesmal genommen von Brede.

Die Begegnung blieb dennoch ausgeglichen, Mikulas Cejka, Jonas Goßmann und Julian Damm holten die Führung postwendend zurück, um sie bis zur 20. Minute erst erneut abzugeben und mit drei weiteren Treffern, davon zweimal Goßmann vom Siebenmeterstrich, sogar wieder auf 10:8 zu stellen (23). Um dann allerdings den Faden nahezu komplett zu verlieren. Julian Borchert tat ein Übriges, hielt weiter mit einer fast unglaublichen Konstanz (Quote 60%!) und ermöglichte den Westdeutschen die abermalige Wende zur eigenen Halbzeitführung. „Ich war schon zur Pause zufrieden. Meine einzige Kritik in der Kabine war, dass wir so viele Dinger nicht reingemacht hatten“, war sich Brede dennoch sicher, dass sich der Favorit weiter schwer tun würde.

Über die Taktik kamen die Nordhessen nach der Pause zurück. Nikita Pliuto und Julian Damm besetzten den Kreis doppelt, Glenn Eggert verließ seinen Kasten für einen siebten Feldspieler. „Das war mutig und hat uns echte Probleme bereitet. Das Kreisspiel der Melsunger war echt stark“, bekannte TuSEM-Trainer Daniel Haase. Beide Kreisläufer trafen prompt zum 13:13 (33.) und eröffneten damit einen offenen Schlagabtausch mit sehr hohem Spannungs- und Unterhaltungsfaktor. Die Führung wechselte hin und her, Glenn Eggert holte kontinuierlich gegenüber Borchert auf, sehenswerte Spielzüge waren auf beiden Seiten reihenweise zu bestaunen. Nach einer Dreiviertelstunde war beim Stand von 19:19 immer noch alles offen. „Mit dem zweiten Kreisläufer konnten wir die Deckung von Essen hinten binden. Dadurch bekam der Rückraum mehr Platz und wenn doch mal jemand rausrückte, war der Weg über den Kreis offen“, erläuterte Brede den perfekt umgesetzten Plan, der dazu geführt hatte, dass der Favorit längst keiner mehr war.

Eine kleine Vorentscheidung deutete sich schon an, als Julian Damm aufdrehte, zweimal selbst erfolgreich war und einen Siebenmeter herausholte, den Jonas Goßmann nervenstark zum 22:20 verwandelte. Jona Gruber legte noch einen aus dem Rückraum nach und Melsungen führte erstmals mit drei Toren. Das konterte Moritz Horn zwar mit einem Doppelschlag und brachte Essen damit wieder ran. Konstant blieb jedoch die Trefferquote von Goßmann, der das nächste Foul an Damm vom Strich eiskalt zum 24:22 nutzte (52.). Daniel Haase nahm schon früh seine letzte Auszeit.

Luca Witzke, den die mJSG-Deckung über weite Strecken der Partie sehr gut im Griff hatte, verkürzte. Nach Tomas Pirochs Lattenknaller hatte Moritz Horn im Tempogegenstoß die Chance zum Ausgleich, scheiterte aber völlig frei an Glenn Eggert, der das Fernduell der zweiten Hälfte gegen Borchert für sich entscheiden konnte. Immer nervöser und fahriger agierten die Gäste, immer sicherer die Hausherren. Einmal noch verkürzte Niklas Rolf (25:24, 56.), dann gehörte die Schlussphase einzig den Melsungern. Jeder Fehler des TuSEM wurde konsequent bestraft, das Resultat bis in die Schlussminute auf 29:24 hochgeschraubt. So dass der letzte Treffer von Luca Witzke lediglich Kosmetik darstellte, bevor der Jubel in der Stadtsporthalle riesengroß war.

„Das war die beste Leistung einer Jugendmannschaft, die ich bisher trainiert habe. Der Schlüssel zu allem war die klasse Abwehr. Wenn es heute überhaupt etwas zu bemängeln gab, dann allenfalls, dass wir noch zu viel vergeben haben“, schwärmte Brede nach dem Abpfiff. Während Haase nur die Erkenntnis blieb, „dass wir uns zu viel technische Fehler geleistet haben, eine miserable Chancenverwertung hatten und in der ersten Halbzeit noch Glück, dass unser Torwart so stark gehalten hat“.

 

Statisik

mJSG: Eggert (18 Paraden / 25 Gegentore), Wenderoth (n. e.); Piroch 3, Goßmann 8/5, Gruber 4, Schuhmann, Kompenhans, Damm 6, Pregler 1, Koch, N. Pliuto 3, Cejka 3, M. Pliuto 1.

TuSEM: Borchert (24 P. / 29 G.), Bornkamm (n. e.); Büttner, Witzke 7/2, Allzeit, Daamen 2, Freitag 1, H. Ingenpass 1, Grande 1, Sprick, Rolf 5, Horn 4, N. Ingenpass 4.

Z: 110 - SR: Levermann / Rietenberg (Bielefeld / Hannover) - Strafen: 2 : 8 Minuten – 7m: 5/5 : 2/2.

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